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"I have no idea, what it´s all about, but i like the general noise, a great deal", so beschrieb John Peel, der leider viel zu früh verstorbene größte DJ aller Zeiten, den Attwengerschen Musikkosmos. |
Das mensch die für Attwenger typischen österreichischen Wort- und Sinnverwurstungen nicht zwangsläufig verstehen muß beweisen ihre Konzerte, die sie von Ho-Chi-Minh-City über New York, Sibirien, Zimbabwe nach Mexiko City und weiter rund um den Globus führten. Man muß also nicht unbedingt dem österreichischen oder zumindest dem bayerisch/süddeutschen mächtig sein um die Musik, des aus Hans-Peter Falkner und Markus Binder bestehenden, in Linz gegründeten und seit 15 Jahren aktiven Duos, zu verstehen. Eine andere Ebene schafft es jedoch- textlich gesehen zumindest. Die in Wien erscheinende Tageszeitung "Der Standard" brachte es auf den Punkt- denn: "Bei Attwenger geht es seit je um die schwierigen Zusammenhänge von Umgangs- und Kunstsprache, Plattitüde und Binsenweisheit, Volkes Mund und dazugehörigen Gemeinplätzen. Mit der Betonung auf gemein. (..) Attwenger sein heißt: Dagegen sein." Dialekt und Slang werden hier als Wiederstandsform postuliert. Was in Österreich (noch immer) eine andere Bedeutung besitzt als im transdanubischen, auch "deutsch" sprechenden Ausland. Von eben dort aus gesehen.
Denn: Um ganz runterdividiert und simplifiziert zu sprechen handelt es sich bei Attwengers Musik um "(Anti)Volksmusik". Die auf den bis dato sechs erschienen Alben (most 91, pflug 92, luft 93, song 97, sun 02 und aktuell dog 05) enthaltenen Songs basieren in der Regel nur auf Schlagzeug und einer "Quetschn" (Midiknopfharmonika). Beides uptempo gespielt plus schwindeleregenden Gesang. Von diesem Fundament ausgehend bricht der Sound permanent in alle möglichen Richtungen aus und umarmt diverseste Musikstile: Polka, Punk, Electro, Gospel, Gstanzl, Obertongesang, Blues, HipHop u.ä.
Auf dem just veröffentlichten Album "dog", ihrem konzeptuell dichtesten bis dato, verschiebt sich der Focus mehr zu elektronischen Anreicherungen, fast schon opulenten Arrangements. Auch der Antinationalismushit "Kaklakariada" vom Vorgängeralbum "sun" findet hier seine textliche Weiterführung in u.a. "dum" (Aus östareich kuman bestien/de ham 180000 jüdische östareicher/umbrocht und vatrihm/und roma und sinti/und schwule und linke (...) östareicha san ehrlich/und wauns ehrlich so san/daun sans owa gfährlich). Überhaupt wird auf "dog" genauestens beobachtet, verlinkt und verzahnt- mit dem nötigen realistischen Ärger auf die bestehenden Verhältnisse.
Österreich hat es ihnen schon immer auf ihre sehr eigene Art und Weise gedankt. "pflug" und "luft" wurden 1992 und 93 zu den Alben des Jahres gewählt. Woraufhin dieser Wettbewerb wieder abgeschafft wurde. Auch vor zwei Jahren gewinnen Attwenger bei dem von ORF gestifteten Preis, zu deren Verdruß, den "Amadeus Award" (!) als "Alternative Act des Jahres" was Markus Binder in seiner Dankesrede so deutete: "Wir nehmen den Preis an dafür, dass wir gegen den Rechtsruck auftreten, der sich ziemlich ungebremst ausbreitet da überall". In einem Interview mit dem Wiener Stadtmagazin "Falter" klärt er dies weiter auf: "Ich bin ja gerne auf fremden Planeten, selbst wenn sie so unwirtlich sind, dass man dort nicht überleben kann- sprich: Amadeus."
Es war schon immer derselbe Modus Operandi Austrias mit seinen größten einheimischen Kritikern umzugehen. Zuerst werden sie als "Spinnerte oder wahlweise Depperte" belächelt, später als "Nestbeschmutzer" gebrandmarkt, bei gegebenen Erfolg im Ausland dann als "genauer Beobachter der Mißstände" "gewürdigt und letztendlich als österreichische "Hochkultur" gefeiert und durchdekliniert. Die Liste der Beispiele ist nahezu endlos: Von der Wiener Gruppe um H.C. Artmann, über die Wiener Aktionisten, deren bekannte "Uni-Ferkelei" Teile der Aktionisten zu Gefängnis und Exil führte, während andere Protagonisten der selben Gruppe wie Rudolf Schwarzkogler oder Herman Nitsch inzwischen zu anerkanntem Kulturgut gemorpht werden und letzterer im November seine Stirblutperformances im nationalen Heiligtum- dem Burgtheater- aufführen durfte. Des weiteren waren und sind Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek (deren Bambiland Attwenger auf "dog" zitieren: "jeda Mensch zöhd. Jeda Mensch zöhd sei Göd."), Alfred Hrdlicka, Hermes Phettberg und Peter Weibel, to name just a few.
Der Lieblingsintelektuelle aller pickelfacigen Germanistikstudenten, Jochen Distelmeyer von Blumfeld, bezeichnete Attwenger einmal durchaus wohlwollend als: "...ein Nichts, ein Häufchen Musikband". Mehr als dieses Häufchen Band braucht es auch nicht um mit "dog" die wichtigste, aufregendste und klügste Platte des Jahres mal eben vom Traktor zu werfen.
Tracklist:
1 dog 3:00
2 dum 3:08
3 wüst 1:59
4 graas 3:00
5 sex 2:47
6 eam 3:00
7 mir 4:20
8 schaun 3:00
9 bam 3:25
10 tour 2:49
11 bled 3:00
12 glei 3:06
13 daun 3:00
14 komm 4:53
(Martin Hiebl)
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